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Lange Wartezeiten? Was ist da los?

Die ärztlich-therapeutische Versorgung von Menschen, die unter Burnout-Folgeerkrankungen leiden wie Depresssion, Angststörung, somatoforme Störungen oder ähnlichem ist so gut wie nirgendwo sonst auf der Welt. Kein anderes Land hat flächendeckend eine derartige Vielzahl von gut ausgebildeten ärztlichen und psychologischen Fachleuten, die für eine von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlte psychotherapeutische Behandlung zur Verfügung stehen.

Gleichwohl müssen viele Patienten, die dringend Hilfe suchen, lange Wartezeiten in Kauf nehmen und oft eine Vielzahl von Therapeuten anrufen, bevor sie Aussicht auf einen Therapieplatz bekommen. Was ist da los?

Natürlich versuchen viele niedergelassenen Kollegen die Einnahmen der Praxis durch Privatpatienten aufzustocken. Das liegt an einer relativ moderaten Vergütung der Kassenleistungen. Von großer Bedeutung ist aber auch, dass man unmöglich auf Dauer 8 Stunden am Tag 5 Tage die Woche psychotherapeutisch tätig sein kann. Es ist nämlich sehr anstrengend, sich mit voller geistiger und seelischer Aufmerksamkeit mit den Belastungen und Schwierigkeiten, mit den oft schrecklichen Geschichten und unlösbar erscheinenden Situationen seiner Patienten auseinanderzusetzen.

Man kann nur für eine begrenzte Zeit einfühlsam und empathisch sein, ansonsten brennt man als Helfer selber aus. Und so ist es auch nicht erstaunlich, wenn viele Kolleginnen und Kollegen sich ein zweites Standbein suchen, um über Supervisionen oder Beratungen noch anderweitig Geld zu verdienen. Faktisch gibt es also viel weniger Therapieplätze als rein rechnerisch möglich wären.

Aber noch an einer anderen Stelle ist das Anreizsystem suboptimal: Hausärzte, die früher die allermeisten Patienten auch durch psychische Gespräche und Hilfestellungen unterstützt haben, müssen auf Grund des Kostendrucks und ihrer Einnahmesituation immer mehr ihre Praxis durchrationalisieren. Für Gespräche bleibt heutzutage keine Zeit, weil diese einfach nicht oder viel zu knapp honoriert werden. Patienten in der Krise müssen dann zum Facharzt. Kein Wunder, dass es davon zu wenige gibt.

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